Fair und nachhaltig reisen in Lateinamerika

Wir bei Faszination Lateinamerika sind uns unserer Verantwortung als Reiseplattform bewusst und möchten dich daher gezielt auch mit Informationen versorgen, die ein faires und nachhaltiges Reisen ermöglichen. Wir möchten aufklären und Missstände aufzeigen, aber gleichzeitig auch Alternativen anbieten.

Reisen ist eine tolle Erfahrung, die wir bei Faszination Lateinamerika nicht missen möchten. Länder, Menschen, Kulturen kennenzulernen und dieses Wissen an euch weiterzugeben ist schließlich der Motivator für unsere Plattform. Denn Reisen verbindet Menschen auf den Kontinenten, ermöglicht Einblicke in andere Lebens- und Denkweisen und ist somit ein wichtiger Baustein für ein besseres Miteinander auf diesem Planeten. Nicht zuletzt helfen Tourismuseinnahmen, Natur und Tiere zu schützen und tragen auch in Lateinamerika zum Einkommen vieler Menschen bei.

Diese positiven Effekte dürfen allerdings nicht über die Schattenseiten des Tourismus hinwegtäuschen. Kreuzfahrten und Flüge produzieren zu viele Klimaemissionen, große Tourismusmassen schädigen Naturräume, Touristen verbrauchen überproportional viel Wasser und hinterlassen zu viel Müll. Corona, Kriege, gestörte Lieferketten, Chaos bei der Bahn und den meisten Airlines haben uns die Zerbrechlichkeit des Traums, die Welt ohne größere Mühen zu bereisen, deutlich vor Augen geführt.

Die Schuld alleine den Unternehmen und der Politik zuzuschieben, wird der komplexen, globalen Situation nicht gerecht. Auch Reisende aus den reichen Industrieländern des Nordens sind aufgefordert, Verantwortung zu übernehmen. Wenn wir möchten, dass andere Menschen und zukünftige Generationen von uns geschätzte Reiseziele ebenso erleben, wie wir sie erleben durften, dann sollten wir unseren Reisestil möglichst bald auf grün und fair anpassen, und zwar nicht nur ein bisschen und hin und wieder, sondern möglichst viel und dauerhaft. Nachhaltig eben …

Zu viel Tourismus überlastet die Ökosysteme

Nachhaltig reisen in Lateinamerika: das kannst du tun

In der Folge geben wir dir Tipps, was du tun kannst, um deine Lateinamerika-Reise so nachhaltig wie möglich gestalten zu können. Dabei sind wir auch auf deine Hilfe angewiesen. Schreib uns an hallo@faszination-lateinamerika.de und sag uns, welche nachhaltigen Reiseerfahrungen du vor Ort gemacht hast, welche unserer Tipps dir gefallen haben und was du noch vermisst.

Vor der Reise

Faires und grünes Reisen beginnt mit der Auswahl des Reiseziels und der Vorbereitung auf die Reise. Einen guten ersten Überblick bekommt man natürlich im Internet und in den sozialen Netzwerken. Ein regelmäßiger Blick auf die Reise- und Sicherheitsseiten des Auswärtigen Amts gehört vor der Reise ebenso dazu. Wer plant in politisch sensible Länder zu reisen, sollte die Länderberichte von Amnesty International konsultieren.

Gepäck

Wer leichter reist, der ist nicht nur beweglicher, sondern tut auch etwas für das Klima. Denn jedes Kilo weniger, das im Flieger, dem Auto, dem Schiff oder der Bahn transportiert werden muss, spart CO²-Emissionen. Also nur das Nötigste mitnehmen und vor der Reise alle überflüssigen Verpackungen entfernen.

In deinem Gepäck könntest du mitnehmen:

  • Eine biologisch abbaubare Seife, die auch zum Haare waschen geeignet ist.
    Eine große Auswahl findest du hier.
  • Eine wiederverwendbare Trinkflasche, idealerweise aus Edelstahl.
    Eine große Auswahl findest du hier.
  • Ein kleiner Wasserfilter, der unnötigen Plastikmüll vermeiden hilft.
    Mein Tipp: Der SteriPen
  • Aufladbare Batterien und Ladegerät.
  • Einkaufsbeutel, Lunchbox (mit Deckel) und Campingbesteck
  • Raucher können einen tragbaren, verschließbaren Aschenbecher mitnehmen.
  • Ökologisch und fair hergestellte Outdoorkleidung.
    Mein Tipp: Secondhand. Bei Neuware: Vaude, Puya

Unser Tipp: Vor der Reise zuhause alle Stand-by-Geräte und bei längeren Trips auch den Kühlschrank ausschalten.

Je weniger Gepäck, desto besser fürs Klima

Reisen mit einem Reiseveranstalter

Wer mit einem Reiseanbieter nach Lateinamerika fahren möchte, sollte sich vorab über dessen Angaben zur Nachhaltigkeit informieren. Diese Aussagen sollten während der Reise überprüft werden. Der Reiseveranstalter freut sich über ein Feedback.

Rund Hundert kleine und mittlere Reiseveranstalter haben sich zum forum anders reisen zusammen geschlossen. Sie alle setzen auf das Thema Nachhaltigkeit im Tourismus und sind mit dem TourCert-Siegel ausgezeichnet. Mit dem in Deutschland entwickelten Nachhaltigkeitssiegel lassen sich inzwischen auch erste Tourismusbetriebe in Peru, Bolivien, Ecuador und Nicaragua zertifizieren. Welche das sind, erfährst du in der TourCert Community.

Anreise

Mit dem Flugzeug

Auch wenn man mit dem Schiff nach Lateinamerika reisen kann, entscheiden sich so gut wie alle Traveller für die Anreise mit dem Flugzeug. Das ist einfach deutlich schneller und günstiger. Da Fliegen neben Kreuzfahrten aber die umweltschädlichste Form des Reisens ist, und bei Reisen nach Lateinamerika für den Hin- und Rückflug vier bis sechs Tonnen Klimagase anfallen (in etwa die Hälfte dessen, was ein Durchschnittsdeutscher jährlich an CO2-Emissionen produziert), sollten wir uns Gedanken machen, wie wir unsere Klimabilanz aufbessern können.

Unser Tipp: Eine leere Flasche mit durch die Sicherheitskontrolle am Flughafen nehmen. Die kann man danach in Waschräumen oder an Wasserspendern ebenso auffüllen lassen wie später während des Flugs. Spart viel Plastikmüll!

Weniger Emissionen beim Fliegen – deine Optionen

  • Der Atmosfair-Airline Index hilft mit seinem Ranking, die umweltfreundlichste Alternative für deinen Flug auszuwählen. Ein modernes Flugzeug, das mit guter Auslastung bei Gepäck und Passagieren und ohne 1. Klasse fliegt, kann auf der Strecke nach Lateinamerika und zurück bis zu einer Tonne CO² gegenüber älteren Flugzeugen einsparen.
  • Wähle Direktverbindungen aus und fahre mit der Bahn zum Flughafen.
  • Verzichte möglichst auf Inlandsflüge in Lateinamerika und vermeide, wo immer es geht, auch Flüge innerhalb Europas.
  • Fliege selten und bleibe dafür länger an einem Ort.
  • Kompensiere die durch deine Reise entstandenen Emissionen (mehr hierzu weiter unten).

CO²-Äquivalente bei Flügen nach Lateinamerika (Auswahl)

  • Frankfurt – Havanna (Kuba): 4,1 Tonnen
  • Frankfurt – São Paulo (Brasilien): 4,6 Tonnen
  • Frankfurt – Guatemala-Stadt (Guatemala): 4,9 Tonnen
  • Frankfurt – La Paz (Bolivien): 5,7 Tonnen
  • Frankfurt – Lima (Peru): 5,9 Tonnen
    (Quelle: atmosfair.de; Economy-Klasse; Hin- und Rückflug)

Zum Vergleich:

  • Ein Jahr Autofahren (Mittelklassewagen, 12.000 km): 2 Tonnen
  • Klimaverträgliches Jahresbudget eines Menschen: 1,5 Tonnen
Auf Inlandsflüge sollte man in Lateinamerika möglichst verzichten

Mit dem Schiff

Mit dem Schiff nach Lateinamerika? Das geht!

Zugegeben: Auch wenn auf einer Schiffsreise nach Lateinamerika deutlich weniger Klimagase entstehen als beim Fliegen, ist die Variante über das Meer für die meisten aus Zeit- und Geldgründen wohl eher keine Option. Aber es besteht die Möglichkeit von Europa aus die neue Welt auf dem Seeweg zu erreichen – per Containerfrachter oder sogar mit dem Segelschiff.

Die Reederei Kapitän Zylmann bietet Frachtschiffreisen von Europa zum Beispiel ab Bremerhaven, Rotterdam oder Algeciras mit Stopps in der Dominikanische Republik, Jamaika, Costa Rica, Kolumbien, Chile, Mexiko und Peru an. Weitere Optionen existieren ab New Orleans Houston oder Miami. Pro Reisetag muss mit Kosten von rund 100 Euro gerechnet werden.

Aber es geht noch viel klimafreundlicher: Wer den Atlantik emissionslos auf einem Segelschiff überqueren möchte, hat dazu ein- bis zweimal pro Jahr Gelegenheit. Dann stechen der zweimastige Gaffelschoner Avontuur der Reederei Timbercoast und die motorlose Brigantine Tres Hombres der Reederei Fairtransport von Europa aus in See, um fair gehandelte Waren wie Kaffee oder Kakao in Süd- und Mittelamerika abzuholen. Die Route variiert. Während die Avontuur in der Regel von Hamburg startet, beginnt die Reise der Tres Hombres in den Niederlanden. Danach fahren beide je nach Route unter anderem Ziele in Frankreich, Spanien, der Karibik sowie Mittel- und/oder Südamerika an. Mitsegeln kann man entweder die ganze Strecke oder Teiletappen. Entsprechend sollte man Zeit und das nötige „Kleingeld“ mitbringen. Die Kosten fürs Mitsegeln betragen je nach Teilstück mehrere Tausend Euro. Rechtzeitiges Buchen ist auf jeden Fall erforderlich.

Emissionsfrei nach Lateinamerika reisen – das Segelschiff Avontuur macht es möglich

Fair und nachhaltig reisen – vor Ort

Das Wichtigste vorneweg: Wenn wir ein fremdes Land besuchen, sind wir in erster Linie Gäste in einer anderen Kultur. Es empfiehlt sich also, sich zunächst einmal in Ruhe umzuschauen und zu akklimatisieren – und das ist nicht nur auf das Wetter oder das Essen vor Ort bezogen. Sich gleich heftig zu beschweren, wenn etwas anders läuft als bei uns, ist der Sache wenig dienlich und lässt uns ebenso frustriert zurück wie die Einheimischen. Es gilt also offen zu sein für Neues, Menschen und Tiere respektvoll zu behandeln und Toleranz zu zeigen. Kategorien wie „besser“ und „schlechter“ sind dagegen wenig hilfreich. Der richtige Begriff in diesem Zusammenhang wäre „anders“.

Aber das soll nicht heißen, dass man als Reisender alles akzeptieren muss, was einem geboten wird. Es ist nichts Verwerfliches dabei, Hotels, Restaurants oder Reiseveranstalter freundlich, aber bestimmt darauf hinzuweisen, dass eine saubere Umwelt wichtig ist und Ressourcen nicht unbedingt verschwendet werden sollten. Und ganz bestimmt ist es auch nicht okay, wenn Menschen – und insbesondere Kinder – ausgebeutet werden, was leider immer noch hin und wieder vorkommt.

Das Problem Plastikmüll existiert auch an einigen Stränden Lateinamerikas

Tipps für umweltbewusstes Reisen

Hier ein paar Tipps, wie du vor Ort umweltbewusster reisen kannst:

Übernachten

  • Möglichst nachhaltige Unterkünfte wählen: Empfehlungen finden sich beispielsweise in den Stefan Loose Reiseführern Peru/Westbolivien und Brasilien. Bei Buchungsplattformen wie Booking.com kann man die Filterfunktion Nachhaltigkeit auswählen.
  • Klimaanlagen vermeiden beziehungsweise in jedem Fall Licht und AC ausstellen, wenn man das Zimmer verlässt.
  • Wasser sparsam nutzen, besonders in trockenen Regionen. Duschen statt baden.
  • In vielen All-inclusive-Hotels (zum Beispiel in Kuba) werden die Freigetränke in Plastikbechern gereicht. Ein mitgebrachter Thermobecher hilft, die Müllflut etwas einzudämmen, und als angenehmer Nebeneffekt bleiben die Drinks angenehm kühl.
  • In Ländern des globalen Südens Toilettenpapier und andere Hygieneartikel nicht in die Toilette, sondern in die danebenstehenden Eimer werfen.

Essen & Trinken

  • Auf Dosen verzichten. Softdrinks nicht in Plastiktüten umfüllen lassen.
  • Eine Flasche von zu Hause mitbringen und statt vor Ort Plastikflaschen zu kaufen in Hotels/Restaurants etc. auffüllen lassen. Mitreisende und Einheimische für die Reduzierung von Plastikmüll sensibilisieren.

Am Strand

  • Vernünftiger Umgang mit Sonnencreme. Auf ökologische Produkte achten. Bevor es zum Schnorcheln ins Meer geht: nicht großflächig eincremen! Besser ist ein T-Shirt gegen die Sonne. Das ist gut für die Haut und das Wasser.

Aktivitäten

  • Auf motorisierte Spaßfahrten mit Jetski, Wasserski, Quad, Geländemotorrad, Heliskiing etc. verzichten. Gleiches gilt für Sightseeing-Flüge.
  • Delfinshows meiden. In manchen Ländern Lateinamerikas (zum Beispiel Kuba) sind Delfinarien verbreitet. Die Shows bereiten Touristen Vergnügen, doch für die Delfine sind sie eine Qual. Die Tiere werden gefangen, aus ihren sozialen Verbänden gerissen und können in den engen Becken nicht im Mindesten ihren ausgeprägten Bewegungsdrang ausleben. Zudem leiden sie unter der Reizarmut und der oft schlechten Wasserqualität.

Allgemeines

  • Keine Souvenirs aus bedrohten Pflanzen oder Tieren kaufen. Das Washingtoner Artenschutzabkommen verbietet deren Import nach Europa. Auch sollte man diese Tiere und Pflanzen nicht essen.
  • Hotels, Fluglinien, Reiseveranstalter etc. auf Umweltschutzmaßnahmen (beziehungsweise deren Fehlen) hinweisen und eine größere Verantwortung einfordern.
  • Statt mit Batterien mit Akkus reisen, und wenn sich Batterien nicht vermeiden lassen, diese mit nach Hause nehmen. Gleiches gilt für Spraydosen.
  • Bei Clean-ups mithelfen: Immer wieder organisieren Veranstalter vor Ort diese Aufräumtage. Meist handelt es sich um vermüllte Strände, die gereinigt werden müssen, nachdem Partys gefeiert wurden.
Lokale Clean-ups: Volunteering sollte in erster Linie den Menschen vor Ort zugutekommen

Besuch von Naturschutzgebieten, Trekking- und Kajaktouren

  • Darauf achten, dass der ökologische Fußabdruck minimiert wird: Plastikmüll vermeiden, organischen Müll in wärmeren Regionen vergraben, nicht-organischen und gesamten Müll in kälteren Regionen mit in die nächste Stadt nehmen sowie Flora und Fauna ungestört lassen. Fäkalien tief und weit genug von Wasser vergraben.
  • Müll sammeln: Viele Reisende sammeln den herumliegenden Müll auf einer Trekkingroute bzw. am Flussufer auf – eine schöne Art, Mitreisende und die lokale Bevölkerung für das Thema zu sensibilisieren.
Besonders umweltfreundlich sollte man sich in geschützter Natur verhalten

Öffentliche Verkehrsmittel in Lateinamerika

Wer ein Land nur mit Inlandsflügen und dem Mietwagen bereist, bekommt wenig vom Alltag der Menschen mit. Denn die meisten der Einheimischen sind auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen. Dabei spielt der Bus in allen Ländern Lateinamerikas eine herausragende Rolle beim Transport von Menschen und Gepäck – egal ob es sich um einen überfüllten Chickenbus in Guatemala, einen vollklimatisierten Stadtbus in Brasilien oder den bequemen Langstreckenbus in Peru handelt. Und zumindest bei modernen Fahrzeugen mit guter Auslastung hat der Reisebus deutlich niedrigere Emissionen pro Passagier als das Flugzeug oder der PKW.

Das einst in einigen Ländern Lateinamerikas gut ausgebaute Schienennetz ist in den letzten Jahrzehnten deutlich geschrumpft und hat – außer in einigen Großstädten – fast vollständig an Bedeutung verloren. Einige Zugstrecken etwa in Argentinien, Brasilien, Peru oder Bolivien werden nur noch für den Tourismus genutzt.

Eine besonders elegante Art Städte zu entdecken, sind die Seilbahnnetze von La Paz in Bolivien und Medellín in Kolumbien.

Unser Tipp: Für längere Fahrten im Inland die hochmodernen und superbequemen Langstreckenbusse nutzen. Statt Mietwagen lieber einen Taxifahrer vor Ort anmieten. So kann man die Fahrt sicher und bequem genießen und unterstützt lokale Anbieter. Großstädte lassen sich auch oft bestens auf geführten Radtouren entdecken!

Eine Fahrt im Chickenbus darf auf keiner Guatemalareise fehlen

Sozial verantwortlich reisen

  • Ein respektvoller Umgang beim Umgang mit der einheimischen Bevölkerung und den Angestellten der Tourismusbetriebe gehört zum A & O, gegebenenfalls kann man auch Mitreisende oder den Touristenführer darauf hinweisen. Dazu gehört auch, den persönlichen Wohlstand nicht allzu sehr zur Schau zu stellen.
  • Trinkgelder: Viele Angestellte im Tourismus in Lateinamerika bekommen einen sehr niedrigen Grundlohn und sind fürs Überleben auf Trinkgeld angewiesen. Auch an das Zimmermädchen und bei Trekkingtouren an ein angemessenes Trinkgeld für Träger, Guides und Küchenpersonal sollte gedacht werden. Ist der Service allerdings mies, braucht natürlich auch kein Trinkgeld gezahlt werden.
  • Wer kleine lokale Hotels, Restaurants, Reiseveranstalter und Guides den großen nationalen und internationalen Ketten vorzieht, erhöht die Chance erheblich, zu lokalen Einkommen beizutragen.
  • Respektvolles, zurückhaltendes Fotografieren sollten heutzutage eine Selbstverständlichkeit sein. Eine Person ungefragt abzulichten ist ein No-Go.
Marktfrau in Brasilien: Ein respektvoller Umgang vor Ort und ein Lächeln bauen Brücken und öffnen Türen

Kinder

  • Kinderarbeit kommt auch in Lateinamerika vor, ist aber seltener ausbeuterisch als etwa in Afrika oder Asien. Dennoch sind auch Reisende aufgefordert, Augen und Ohren offen zu halten, besonders wenn es um Sextourismus geht, denn sexuelle Handlungen an Kindern verstoßen gegen die Menschenrechte. Wer sexuellen Missbrauch an Kindern beobachtet, kann dies bei nicht-wegsehen.net melden. Erster Ansprechpartner vor Ort sind die Polizeibehörden. Mehr zum Thema Sextourismus beim Netzwerk ECPAT.
  • Auch wenn es hart klingt und nicht immer leicht durchzuhalten ist: Bettelnden Kindern sollte man kein Geld geben. Wirksamer ist es, einer lokalen Kinderorganisation Geld zu spenden.
Bei der Kaffeeernte zu helfen ist für viele indigene Kinder in Guatemala Alltag

Bewusst konsumieren

  • Kunsthandwerk soweit wie möglich direkt beim Produzenten beziehungsweise Kleinunternehmer, wie dem Strandverkäufer, kaufen.
  • Landwirtschaftlichen Produkten aus der Umgebung den Vorzug geben. Auf importierte Waren möglichst verzichten.
  • Auf fair gehandelte und biologisch erzeugte Waren zurückgreifen und danach fragen.
  • Von zuhause einen oder zwei Stoffbeutel für Einkäufe im Supermarkt, in der Bäckerei usw. mitbringen. Sie wiegen fast nichts, aber helfen ein bisschen gegen den Plastiktütenwahnsinn in Lateinamerika. Außerdem fällt die Benutzung eines wiederverwendbaren Beutels anderen Kunden im Laden auf und kann, als positiver Nebeneffekt, vielleicht dem einen oder anderen Einheimischen als Anregung dienen.
Kunsthandwerk direkt bei den Produzentinnen kaufen: ein lohnendes Urlaubserlebnis für beide Seiten

Wieder zuhause

Hier ein paar Ideen, wie du auch nach der Reise noch positiv auf die besuchte Region wirken kannst:

  • Mit dem Engagement für ein auf der Reise besuchtes Hilfsprojekt kannst du dauerhaft Interesse an der Urlaubsregion zeigen und Menschen helfen.
  • Bei einem Bilderabend lassen sich Freunde, Bekannte oder Verwandte mit konkreten Beispielen für faires und ökologisches Reisen gewinnen.
  • Ein faires Feedback über die Erfahrungen bezüglich nachhaltigen Reisens in sozialen Netzwerken und/oder Reiseportalen hilft anderen Reisenden. Und es ist ein Ansporn für Anbieter touristischer Dienstleistungen gegebenenfalls ihr Angebot zu verbessern. Schreib zum Beispiel auch in unser Forum.

CO²-Emissionen kompensieren – aber wie?

Wer fossile Brennstoffe für den Transport nutzt, erzeugt damit klimaschädliche Emissionen. Diese zu kompensieren, also eine Ausgleichszahlung zu leisten, sollte eigentlich verpflichtend sein. Doch bislang ist es freiwillig und wird daher nur von wenigen Reisenden genutzt. Zu groß ist bei vielen die Skepsis über die Wirksamkeit der geförderten Projekte. Bei der Wahl des Kompensationsdienstleisters solltest du daher auf folgende Punkte achten:

  • Zuverlässige, gemeinnützige Anbieter von freiwilligen CO²-Kompensationen sind beispielsweise atmosfair, die Klimakollekte oder myclimate. Auf ihren Webseiten lässt sich mittels eines Emissionsrechners ermitteln, wie viel CO² der Flug produziert und was es kostet, eine vergleichbare Menge Klimagase einzusparen. Mit dem Betrag werden Projekte in Ländern des globalen Südens unterstützt, die den Ausstoß von Klimagasen verringern helfen.
  • Bei der Wahl des zu unterstützenden Projekts sollte man auf den Goldstandard achten, den höchsten Standard bei Kompensationsprojekten. Die Projekte sollen nicht nur Emissionen sparen, sondern auch einen Mehrwert für die einheimische Bevölkerung (vorwiegend in ärmeren Ländern) schaffen. So mindern beispielsweise brennstoffsparende Holzherde nicht nur CO²-Emissionen, sondern schützen auch die Nutzer vor Atemwegskrankheiten.
  • Vorsicht bei Aufforstungsprojekten! Diese eignen sich nur bedingt zur Kompensation. Denn während das zu kompensierende CO² bereits in der Atmosphäre ist (die Reise hat ja bereits stattgefunden), dauert es Jahrzehnte bis die Bäume der Aufforstung groß genug sind, um die entsprechende Menge CO² auch wirklich zu binden. Ob die Bäume die notwendige Größe überhaupt erreichen, ist nicht garantiert. Es bestehen kaum kontrollierbare Risiken wie Waldbrände oder illegale Abholzung. Auch Konflikte mit der lokalen Bevölkerung um den Landbesitz sind nicht auszuschließen.

Unser Tipp: Zwar gibt es Reiseveranstalter, die die Kompensation in den Reisepreis integrieren. Wer aber direkt über einen gemeinnützigen Anbieter wie etwa atmosfair kompensiert, kann die Ausgaben als Spende von der Steuer absetzen.

Es ist wichtig, beim Reisen Verantwortung für entstandene Klimagase zu übernehmen

Soziale Arbeit im fernen Land

Viele vor allem junge Menschen möchten gerne im Ausland auch auf dem Arbeitsmarkt Erfahrungen sammeln. Sie wollen ihre Entdeckungsfreude und ihren Wunsch nach sozialer Arbeit miteinander koppeln. Wer aber nur für wenige Wochen oder gar Tage Freiwilligenarbeit leistet, nützt den Organisationen vor Ort meist nur wenig.

Wer wirklich helfen will, nimmt sich Zeit und sucht sich eine Organisation, die eine Vorbereitung, eine Betreuung vor Ort und Nachbereitung anbietet. Wichtig ist es, sich so genau wie möglich über die Programme für solche Aufenthalte zu informieren. Kommerzielle Anbieter sind nur bedingt zu empfehlen, da sie zwar das Organisatorische übernehmen, aber auch sehr teuer sind.

Gute Infoquellen für Freiwilligenarbeit sind der Wegweiser Freiwilligenarbeit von Brot für die Welt, freiwilligenarbeit.de und die Webseite des Bundesfreiwilligendiensts.

In Sonderfall Kuba sind Solidaritätsprojekte eine gute Möglichkeit, tiefere Einblicke in den Alltag zu bekommen. Man arbeitet in der Regel mit Kubanern vormittags in der Landwirtschaft und macht nachmittags Exkursionen oder besucht soziale Einrichtungen und Organisationen. Nähere Infos findest du zum Beispiel bei der Freundschaftsgesellschaft BRD-Kuba oder beim Netzwerk Cuba.

Mehr zum Thema nachhaltiges Reisen

Wer sich umfassend mit dem Thema nachhaltiger Tourismus auseinandersetzen möchte, findet in meinem Buch »FAIRreisen. Das Handbuch für alle, die umweltbewusst unterwegs sein wollen« alles Wissenswerte. Das Buch wurde mit dem ITB Award der weltweit größten Tourismusmesse in Berlin als bestes touristisches Fachbuch ausgezeichnet.

Viele Infos zu fairem Reisen finden sich im Handbuch

Seit vielen Jahren kennzeichnen die Autorinnen und Autoren der Stefan Loose Travel Handbücher nachhaltige Reiseangebote vor Ort mit einem leicht zu erkennenden Baumsymbol. So auch in den Lateinamerikabänden: Die Landeskenner wissen, welches Hotel soziale Projekte unterstützt, welcher Reiseveranstalter sich für Tierschutz einsetzt, in welchem Restaurant die vegane Küche schmeckt und wo man sich seine Trinkflasche mit sauberem Trinkwasser auffüllen lassen kann.

Der To-Do-Wettbewerb des Studienkreises für Tourismus und Entwicklung prämiert Tourismusprojekte, bei deren Planung und Umsetzung die einheimische Bevölkerung eng mit einbezogen wird, bei denen Ressourcen umweltschonend genutzt werden und nachhaltige Wirtschaftskreisläufe entstehen. Unter den prämierten Projekten der vergangenen Jahre befinden sich auch mehrere aus Lateinamerika.

Weitere Infoquellen

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