Tikal: Tipps für deine Reise

Die Mayastätte im Norden Guatemalas ist ein Erlebnis der Sonderklasse: Hoch aufragende Tempel, gewaltige Paläste und unzählige kleinere Gebäude liegen in dichtem Regenwald versteckt – eine einmalige Kombination aus spektakulärer Archäologie und intakter Natur.

Tikal gehört zu den außergewöhnlichsten archäologischen Stätten Mittelamerikas. Mitten im dichten tropischen Regenwald im Norden Guatemalas ragen gewaltige Tempelpyramiden aus dem Blätterdach hervor. Die Ruinen liegen in einem Lebensraum, der unter anderem Jaguaren, Brüllaffen und Tukanen eine Heimat bietet. Gerade diese Verbindung aus faszinierender Natur und bedeutendem Kulturerbe verleiht Tikal seinen besonderen Reiz. Die Anlage ist sowohl UNESCO-Weltkultur- wie auch Weltnaturerbe.

Unterkunftstipp für deinen Aufenthalt in Tikal
Aus dem ehemaligen Camp der Archäologen ist die schmucke Jungle Lodge Tikal geworden. Toplage mitten im Nationalpark unweit der Ruinen. Alle Zimmer mit Gemeinschaftsbad, außerdem verfügt das Hotel über Restaurant, Pool und Tourservice. Für Sparer gibt es einen Campingplatz. Hier findest du das Hotel bei Booking.com.

Nationalpark Tikal – mächtige Tempel und Regenwald soweit das Auge reicht

Reisetipps für Tikal

Wissenswertes vorab

Name

Vermutlich war Mutal der ursprüngliche Name Tikals. Die Emblemglyphe der Stadt zeigt ein zusammengebundenes Bündel. Was der Name genau bedeutet, ist bis heute nicht geklärt. Einige Forscher halten die Übersetzung „Blume“ für möglich.

Geschichte

Die Geschichte Tikals reicht bis etwa 600 v. Chr. zurück, als sich die ersten Bauern in der waldreichen Region mit ihren reichen Feuersteinvorkommen niederließen. Aus der kleinen Siedlung entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte eine bedeutende Stadt mit beeindruckender Architektur und hochentwickelter Kunst. Zunächst stand Tikal jedoch im Schatten der mächtigen Metropole El Mirador. Nach deren Niedergang stieg Tikal zu einer der führenden Städte der Maya auf. Einen entscheidenden Wendepunkt markierte der Sieg über das benachbarte Uaxactún im Jahr 378 n. Chr. Danach entwickelte sich Tikal für rund 180 Jahre zur politischen und wirtschaftlichen Großmacht des zentralen Tieflands. Umfangreiche Bautätigkeiten und weitreichende Handelsbeziehungen zeugen von dieser Blütezeit.

Im Jahr 562 erlitt Tikal jedoch eine schwere Niederlage gegen Calakmul im heutigen Mexiko. Es folgte eine mehr als ein Jahrhundert andauernde Phase des Niedergangs, die von geringer Bautätigkeit und dem Verlust politischer Bedeutung geprägt war.

Erst unter dem Herrscher Ah Cacau begann ab 682 n. Chr. eine neue Blütezeit. Tempel und Paläste wurden restauriert oder neu errichtet, und Tikal gewann seine Stellung als bedeutendes Machtzentrum zurück. Die meisten der heute sichtbaren Tempelpyramiden entstanden zwischen dem 8. und 9. Jahrhundert. Das letzte bekannte Inschriften-Datum stammt aus dem Jahr 879.

Warum Tikal – wie viele andere Maya-Städte – schließlich aufgegeben wurde, ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Vermutlich führten mehrere Faktoren zum Niedergang, darunter langanhaltende Dürren, Kriege, soziale Veränderungen und die Übernutzung natürlicher Ressourcen. Dennoch blieb Tikal auch nach seiner Aufgabe ein heiliger Ort, der noch Jahrhunderte später von Pilgern aufgesucht wurde.

Tikal hat neben seinen Bauwerken eine eindrucksvolle Fauna und Flora zu bieten

Orientierung

Tikal liegt rund 63 Kilometer nordöstlich von Flores, der Hauptstadt der Provinz Petén, einer kleinen Insel, auf dem Petén Itzá-See. Es gibt nur eine asphaltierte Straße, die in etwa einer Stunde zu den Ruinen führt. Etwa auf halber Strecke liegt der kleine Ort El Remate am östlichen Ufer des Sees. Bei Km 46,5 wird der Eingang zum Nationalpark und wenig später das Besucherzentrum Tikals erreicht. Ganz in der Nähe befindet sich die Ticketkontrolle an einem großen Ceiba-Baum. Von dort führen unterschiedliche Wege in den rund 16 Km2 großen Hauptbereich. Die archäologischen Sehenswürdigkeiten sind über vier breite Zeremonialstraßen (calzadas) zu erreichen, die bereits von den Maya erbaut wurden. Man hat ihnen Namen von bekannten Forschern und Entdeckern gegeben. Drei verbinden das Zentrum, La Gran Plaza, mit der Nordgruppe (Calzada Maler), dem Tempel IV im Westen (Calzada Tozzer) und dem Tempel VI im Südosten (Calzada Méndez). Die Calzada Maudslay führt von der Nordgruppe zum Tempel IV. Es lohnt sich, gelegentlich einen der schmalen Dschungelpfade zu nehmen, um Tiere in freier Wildbahn beobachten zu können. Mit etwas Glück bekommt man Klammeraffen, Brüllaffen, Tukane oder gelegentlich sogar einen Graufuchs zu sehen. Der Petén­-Truthahn ist meist nahe dem Eingang zu sehen. Überall wo viele Menschen sind, treiben sich kleine Herden von Nasenbären (pizotes) herum.

Obwohl die putzigen Nasenbären geradezu zum Füttern einladen, sollte man genau das nicht tun!

Was du in Tikal machen kannst

Die Anlage ist sehr weitläufig. Auf einer Fläche von 16 km2 kartografierten die Archäologen 3000 Gebäude und 121 Stelen. Rund 70 Prozent der ausgedehnten Ruinenstätte sind immer noch vom Regenwald überwuchert. Daher sollte man für die Erkundung von Tikal mindestens zwei Tage einplanen, wenn man einen umfassenden Überblick über die Anlage bekommen möchte. Wer auch noch die 24 Kilometer nördlich gelegene Ruinenstätte Uaxactún besuchen möchte, sollte einen weiteren Tag veranschlagen. In Tikal warten Guides auf Touristen. Alternativ werden organisierte Touren ab Flores angeboten. Zusätzlich kannst Du Dich Touren zum Sonnenaufgang oder -untergang anschließen (je 100 Quetzales).

Die Museen von Tikal

Im Besucherzentrum hat das Museo Lítico während der allgemeinen Besuchszeiten geöffnet. Es stellt über ein Dutzend Stelen und steinerne Monumente aus. Sehenswert sind die Fotografien von den Ausgrabungsarbeiten, die anschaulich verdeutlichen, unter welch schwierigen Bedingungen die ersten Archäologen arbeiteten und welche Meisterleistung Männer wie Maler, Maudsley oder Coe mit der Dokumentation und Restauration vollbrachten. Im Museo Silvanus G. Morley, das auch Museo Tikal genannt wird, sind polychrome Keramikgefäße, Jadeschmuck, Knochen mit Hieroglyphenritzungen und Skulpturen ausgestellt. Herausragend sind die Stele 31 aus dem Jahr 428 und eine Nachbildung der Grabkammer des Herrschers Ah Cacau.

Kunstvolle Keramik der Maya – zu sehen in den Museen von Tikal

Vogelbeobachtung

Für Birdwatcher ist der Nationalpark ein Paradies. Über 300 Arten sind dort nachgewiesen. Zu sehen gibt es neben dem Petén-Truthahn, verschiedene Tukan- und Arrassari-Arten. Außerdem Trogone, Falken, Geier und diverse Papageienarten.

Eine besonders prächtige Truthahnart ist der auch in Tikal heimische Ocellierte Truthahn (Meleagris ocellata)

Sehenswürdigkeiten in Tikal

Nachfolgend werden die wichtigsten Strukturen der archäologischen Stätte vorgestellt:

Die Komplexe Q und R

Folgt man vom Eingang dem Weg nach rechts, gelangt man bald zu den Zwillingspyramiden, die auf großen künstlich angelegten Plattformen errichtet wurden. Während der Komplex R noch weitgehend vom Regenwald überwuchert ist, wurde der Komplex Q restauriert. Die jeweils niedrigeren Nachbarpyramiden sind in Ost-West-Richtung ausgerichtet. Zwischen ihnen ließ der 29. Herrscher von Tikal im Jahr 771, zum Abschluss eines 20-jährigen Kalenderszyklus (Katun), die Stele 22 mit dem Altar 10 errichten. Die Stele zeigt den Herrscher bei einer Opferzeremonie, während auf dem Altar gefesselte Gefangene dargestellt sind. Vor der östlichen Pyramide stehen mehrere glatte Stelen, deren ursprüngliche Beschriftung – falls sie jemals vorhanden war – heute nicht mehr nachgewiesen werden kann. Auch der Komplex R mit der Stele 19 wurde im Jahr 790 für zeremonielle Zwecke errichtet.

Gruppe H

Über die Calzada Maler gelangt man zur nördlich gelegenen Gruppe H, die aus den Komplexen P und M besteht. Die Bauwerke stammen aus der Spätklassik und sind bislang kaum restauriert. Beim Komplex P handelt es sich um eine weitere Zwillingspyramidenanlage. Der Komplex M wurde offenbar teilweise abgetragen, um Baumaterial für den Bau einer der großen Zeremonialstraßen zu gewinnen. Die bemerkenswerte Stele 20 aus dem Jahr 751 befindet sich heute im Museum in Guatemala-Stadt. Dieser abgelegene Bereich ist besonders für Besucher interessant, die den Trubel im Zentrum hinter sich lassen, genügend Zeit mitbringen oder den Regenwald in Ruhe erkunden möchten.

Tempel IV ist besonders beliebt, um den Sonnenaufgang zu beobachten

Tempel IV – Tempel der doppelköpfigen Schlange

Von der Gruppe H führt die lange Calzada Maudslay direkt zum Tempel IV, dem mit 64 Metern höchsten Bauwerk Tikals. Er ragt weit über das Blätterdach des Regenwalds hinaus und bietet einen beeindruckenden Blick auf die übrigen Tempel der Anlage. Dank zweier stabiler Holztreppen ist der Aufstieg heute problemlos möglich. Tempel IV wurde um das Jahr 741 während der Regierungszeit von Caan Chac, dem Sohn von Ah Cacau, errichtet. Die Türstürze im Tempel wurden durch Nachbildungen ersetzt; die Originale befinden sich heute in Museen in Basel und Guatemala-Stadt. Die auf ihnen dargestellte doppelköpfige Schlange gab dem Tempel seinen Namen.

Eine steile Holztreppe führt auf Tempel IV

Komplex N und Fledermauspalast – Palacio de los Murciélagos

Die Zwillingspyramiden des Komplexes N an der Calzada Tozzer wurden im Jahr 711 n. Chr., zum Abschluss des 14. Katun im 9. Baktun, unter dem 26. Herrscher Tikals, Ah Cacau, errichtet. Auf der Stele 16 ist der König in voller Zeremonialtracht mit einem Kopfschmuck aus Quetzalfedern und einem Zepter dargestellt. Daneben steht Altar 5, der zwei Priester mit auffällig asiatisch anmutenden Kopfbedeckungen und Tiermasken innerhalb eines Kreises aus Hieroglyphen zeigt. Bei beiden Monumenten handelt es sich um Nachbildungen; die Originale werden heute im Museo Nacional de Arqueología y Etnología in Guatemala-Stadt aufbewahrt.

Nur wenige Meter südöstlich des Komplexes N erhebt sich der gewaltige Fledermauspalast. Von dieser ausgedehnten Palastanlage wurde bislang lediglich das Hauptgebäude restauriert. Im Obergeschoss des hufeisenförmigen Bauwerks befinden sich mehrere Räume, während die darüberliegende Ebene nur aus einem einzigen Raum besteht. Zahlreiche Öffnungen in der Rückwand – in denen heute Fledermäuse leben – sorgten für ungewöhnlich viel Tageslicht im Inneren. Deshalb wird das Bauwerk auch als „Palast der Fenster“ bezeichnet.

Tempel III – Der Tempel des Jaguarpriesters

Etwas weiter östlich erreicht man Tempel III, der eine Höhe von 55 Metern aufweist. Das Bauwerk ist in seinem ursprünglichen Zustand erhalten und darf nicht bestiegen werden. Ein Türsturz zeigt einen beleibten Priester in einem Jaguarfell, umgeben von weiteren Personen.
Der hölzerne Balken befindet sich heute im Museo Nacional in der Hauptstadt. Anhand der Stele 24 konnte das Baujahr auf das Jahr 810 datiert werden, womit die Tempelpyramide zu den letzten großen Bauwerken Tikals zählt.

Mächtig erhebt sich Tempel III von Tikal über das Blätterdach des Regenwalds

Verlorene Welt – Mundo Perdido

Südlich von Tempel III liegt die sogenannte Verlorene Welt, ein besonders atmosphärischer Bereich der Stadt. In diesem Areal befinden sich Bauwerke, die teilweise noch aus der frühesten Siedlungsphase stammen. Im Zentrum erhebt sich die 32 Meter hohe Große Pyramide. Obwohl die Pyramide von allen vier Seiten über Treppen erschlossen ist, ist sie heute nur über die Westseite zugänglich. In das Bauwerk getriebene Tunnel legten vier ältere Bauphasen frei, wobei die früheste auf etwa 700 v. Chr. datiert wird. Damit zählt die Pyramide zu den ältesten bekannten Strukturen Tikals. Von der oberen Plattform, die vermutlich für astronomische Beobachtungen genutzt wurde, bietet sich ein weiter Ausblick. Weitere Gebäude in der Verlorenen Welt stammen aus unterschiedlichen Epochen und zeigen architektonische Einflüsse aus Teotihuacán in Mexiko.

Von der Großen Pyramide der „Verlorenen Welt“ hat man einen tollen Blick auf viele Tempel Tikals

Platz der Sieben Tempel – Plaza de los Siete Templos

Westlich der Verlorenen Welt befindet sich eine große Plaza, die von sieben kleineren, in Reihe angeordneten Tempeln eingefasst wird. Diese Anlagen entstanden im 8. und 9. Jahrhundert. Das Relief des zentralen Tempels zeigt gekreuzte Knochen und Totenschädel, was von Forschern mit dem rituellen Ballspiel der Maya in Verbindung gebracht wird. Unterstützt wird diese Interpretation durch den dreifachen Ballspielplatz am nördlichen Rand des Komplexes.

Südakropolis und Tempel V

Südlich der großen Plaza und westlich der sieben Tempel verbirgt sich unter einem von Wurzeln und Lianen überwachsenen Hügel die ausgedehnte Südakropolis, die eine Fläche von rund zwei Hektar einnimmt. Die obersten Palastbauten stammen aus der Spätklassik, während darunterliegende Strukturen bis etwa tausend Jahre weiter zurückreichen. Westlich der Südakropolis erhebt sich Tempel V, eine 58 Meter hohe Pyramide. Sie wurde von der Cooperación Española restauriert und ist über eine Holztreppe zugänglich. Errichtet wurde das Bauwerk um das Jahr 750. Zwischen der Südakropolis und der nördlich gelegenen Zentralakropolis erstrecken sich das Tempel- und das Palastreservoir – zwei große Senken, die einst als Wasserspeicher für die Bevölkerung dienten und in früherer Zeit möglicherweise auch als Steinbrüche genutzt wurden.

Steinere Stuckmaske in einer überbauten Struktur der Akropolis von Tikal

Die Hauptplaza – Gran Plaza

Eingerahmt von der mächtigen Nord- und Zentralakropolis entfaltet sich das historische Zentrum der Stadt vor dem Besucher. Über viele Jahrhunderte hinweg residierten und wirkten hier Herrscher, die über das Schicksal großer Bevölkerungsgruppen entschieden, während Priester an diesem Ort ihre wichtigsten religiösen Zeremonien vollzogen. Die Plaza wird im Westen und Osten von Tempel I und Tempel II begrenzt. Der 44 Meter hohe Jaguartempel (Tempel I) zählt zu den bekanntesten Bauwerken Tikals und ist ein häufig fotografiertes Motiv. Seinen Namen verdankt er einer Darstellung eines Jaguars auf einem Türsturz, dessen Original sich heute im Völkerkundemuseum in Basel befindet. Errichtet wurde der Tempel im 8. Jahrhundert unter Herrscher Ah Cacau, der hier im Jahr 734 auch bestattet wurde. In seiner reich ausgestatteten Grabkammer fanden Archäologen unter anderem rund 180 Jadeobjekte, Perlen sowie zahlreiche Knochen mit eingeritzten Hieroglyphen. Auf einer Plattform, die über eine steile Treppe erreichbar ist, erhebt sich der Tempel mit seinen drei Innenräumen und dem markanten, steil aufragenden Dachkamm. Nach einer Restaurierung in den 1990er-Jahren ist er heute für Besucher nicht zugänglich.
 Hinter Tempel I liegt die Ostplaza, ein weitläufiger Platz mit einem kleinen Ballspielplatz und einem Schwitzbad, der vermutlich auch als Marktplatz genutzt wurde. Ein weiterer Ballspielplatz befindet sich südlich des Tempels. Auf der Westseite der Plaza steht das Pendant zum Jaguartempel: Tempel II, auch Tempel der Masken genannt. Mit 38 Metern Höhe ist er nur geringfügig niedriger als Tempel I. Seine reich dekorierte Stuckfassade ist jedoch durch Verwitterung stark beschädigt. Auch dieser Tempel weist leicht abgerundete Ecken auf und kann über eine Holztreppe bestiegen werden.

Die gesamte Nordseite der Plaza wird von der Nordakropolis eingenommen, einem der komplexesten Bauensembles der Maya-Welt. Archäologen konnten über hundert einzelne Strukturen nachweisen, die im Laufe der Zeit überbaut, abgerissen, erneuert und erweitert wurden. So wuchs der Komplex über Jahrhunderte auf etwa 100 Meter Seitenlänge und 13 Meter Höhe an. Sein zentraler Zweck war die Errichtung königlicher Grabstätten. An mehreren Stellen wurden Überreste früherer Bauphasen freigelegt, darunter große Stuckmasken, die einst Grabkammern schmückten und heute teilweise unter Schutzdächern sowie in einem kleinen Tunnel zu sehen sind.

Vor der Nordakropolis verlaufen zwei lange Reihen von Stelen und Altären ohne erhaltene Hieroglyphen, die ursprünglich rot bemalt waren. Forschende gehen davon aus, dass die Herrscher auf diesen Monumenten ihre Taten dokumentierten und ihre Dynastien verherrlichten. Einige der Steine zeigen Spuren gezielter Zerstörung, vermutlich durch Eroberer aus Caracol, die damit das besiegte Tikal demütigen wollten. Ab dem Jahr 686 wurden die Stelen wieder restauriert. Bei Ausgrabungen wurde zudem die gut erhaltene und reich verzierte Stele 31 entdeckt, die heute im Museum von Tikal ausgestellt ist.

Westlich der Nordakropolis erstreckt sich die Westplaza, deren Bauwerke heute größtenteils vom Regenwald überwachsen und verborgen sind. Im Süden wird die Plaza von der Zentralakropolis begrenzt. Diese komplex verschachtelte Anlage diente einst als Wohn- und Aufenthaltsbereich für Herrscher, hochrangige Adlige, Gelehrte und Priester.

Im Laufe der Jahrhunderte wurde der Komplex fortlaufend umgebaut, erweitert und an wechselnde Anforderungen angepasst. So entstand über die Zeit ein vielschichtiges Ensemble aus unzähligen kleinen Innenhöfen, Wohnhäusern und Treppenanlagen sowie einem Gerichtshof, einem sogenannten „Zauberhaus“ und Unterkünften für Bedienstete. Die fünffach überbaute Gruppe entwickelte sich über rund 600 Jahre und blieb bis zum Beginn des 9. Jahrhunderts in Nutzung.

Der in Deutschland geborene Archäologe Teobert Maler nutzte während seiner Aufenthalte ein Gebäude an der Plaza 2 als Unterkunft. Seine in den Stuck geritzte Signatur ist dort bis heute erhalten.

Die Akropolis mit der Gran Plaza – das Zentrum von Tikal

Tempel VI – Tempel der Inschriften

Der etwas abgelegen am Ende der Calzada Méndez gelegene Tempel wird nur selten besucht. Obwohl er niedriger ist als die anderen fünf Tempelpyramiden Tikals, verfügt er über einen eindrucksvollen, 12 Meter hohen Dachkamm sowie zahlreiche Hieroglyphen an seiner Rückseite. Das Bauwerk wurde erst 1951 entdeckt und lässt sich auf das Jahr 766 datieren.

Touren, Ausflüge und Aktivitäten in Tikal

Wer Zeit hat und noch nicht genug von den den Mayaruinen hat, sollte auf jeden Fall der 24 km nördlich von Tikal gelegene Ruinenstätte Uaxactún einen Besuch abstatten. Die Anlage ist bei Weitem nicht so spektakulär wie der bekanntere Nachbarort. Allerdings gibt es hier einige interessante Gebäude, die Maya­-Fans begeistern werden. Hinzu kommt, dass nur wenige Touristen Uaxactún besuchen und man somit weitgehend ungestört umherstreifen kann.

Uaxactún

Der Aufstieg Uaxactúns zu einem bedeutenden Zeremonialzentrum verlief parallel zu dem Tikals. Während der späten Frühklassik war die Stadt ihrem mächtigen Nachbarn architektonisch zeitweise sogar überlegen. Im Laufe der Jahrhunderte entwickelten sich beide Städte zu Rivalen. Nach einer entscheidenden Niederlage gegen Tikal im Jahr 378 n. Chr. geriet Uaxactún für mehrere Jahrhunderte unter dessen Herrschaft. Erst im Jahr 711 ließ ein Herrscher wieder eine Stele errichten, die sich auf die Gründer der Dynastie bezog und die erneute Eigenständigkeit der Stadt demonstrierte. Die letzte datierte Inschrift stammt aus dem Jahr 889. Bodenuntersuchungen zeigen, dass gegen Ende der klassischen Periode starke Erosion einsetzte. Große Teile des Waldes waren bereits gerodet, und die dünne Humusschicht wurde weggespült. Zudem weisen Skelette von Angehörigen der Unterschicht aus dem benachbarten Tikal auf Unterernährung hin – ein möglicher Hinweis auf die ökologischen und gesellschaftlichen Krisen jener Zeit.

Die Ruinen sind in acht Gruppen gegliedert: Die Gruppen A bis C liegen westlich, die Gruppen D bis H östlich der ehemaligen Landebahn. Besonders sehenswert ist die Gruppe E mit ihren drei Tempeln, die als astronomisches Observatorium dienten. Zu den Sonnenwenden und Tagundnachtgleichen ging die Sonne jeweils über einem der Tempel auf – ein Bauprinzip, das später auch an anderen Maya-Stätten übernommen wurde. Eine Besonderheit ist der Tempel E-VII sub, dessen präklassische Pyramide mit monumentalen Stuckmasken von Gottheiten geschmückt ist.

Das heutige Dorf Uaxactún entstand bereits vor fast 100 Jahren. Etwa tausend Menschen leben entlang der ehemaligen Landebahn. Früher lebte die Bevölkerung vor allem vom Sammeln und Exportieren von Chicle über Belize. Später kamen weitere Waldprodukte wie die Xate-Palme und Nelkenpfeffer sowie schließlich der Tourismus als Einnahmequellen hinzu. Da das Dorf im Maya-Biosphärenreservat liegt, ist Landwirtschaft nicht erlaubt. Als Gegenleistung für das Wohnrecht im Schutzgebiet entrichtet jede Familie eine monatliche Pacht an die nationale Umweltbehörde.

Essen und Trinken in Tikal

Im Nationalpark hat man die Auswahl zwischen drei Hotelrestaurants, dem teuren Restaurant im Besucherzentrum und einigen günstigen Essständen (Comedores) schräg gegenüber. Wer auf dem Campingplatz übernachtet, kann sich natürlich auch eigenes Essen zubereiten. Am Tempel IV und an der Großen Plaza bieten Getränkeverkäufer Wasser und Softdrinks an.

Nachtleben in Tikal

Wer Tikal besucht, möchte Natur und Maya-Ruinen erleben. Dafür stehen die meisten früh auf, bevor die Busse aus Flores die Anlage erreichen. Viel mehr als ein Cocktail im Hotelrestaurant ist daher nicht geboten. Wer mehr Nachtleben möchte, sollte in Flores übernachten. ​

Tikal mit Kind

Die Ruinenstätte lässt sich auch mit Kindern prima erkunden. Allerdings sollte man genug Wasser und Verpflegung dabeihaben sowie den Rundgang auf die wichtigsten Bauwerke beschränken. Man legt lange Strecken zu Fuß zurück. Für Kinderwagen ist die Anlage nicht geeignet!

Tikal Hotels und andere Unterkünfte

Wo übernachten in Tikal?

Ein besonderes Erlebnis ist eine Übernachtung im Nationalpark. Das Angebot an Unterkünften ist dort allerdings eingeschränkt und recht teuer. Aber zum Glück gibt es dort einen Campingplatz. Eine einfache Unterkunft findet sich in Uaxactún, ebenfalls im Nationalpark gelegen, rund 24 Kilometer nördlich von Tikal. Außerhalb des Nationalparks gibt es eine gute Auswahl an Unterkünften in und um den kleinen Ort El Remate am Ostufer des Petén Itzá-Sees, rund 34 Kilometer von den Ruinen entfernt. Noch mehr Übernachtungsmöglichkeiten bietet Flores, die Hauptstadt der Provinz Petén. Sie liegt rund 63 Kilometer von Tikal entfernt.

Hoteltipps Tikal

Unterkunftsmöglichkeiten gibt es an den Ruinen, in Uaxactún, El Remate oder Flores. Um Unterkünfte inTikal und Umgebung zu finden, ist die Hotelsuchmaschine Booking.com hilfreich. Dort kannst du dir die ganze Bandbreite an Übernachtungsmöglichkeiten einfach und schnell anzeigen lassen.

Mehr zu Übernachtungsmöglichkeiten in Tikal findest Du hier:

Tipps für Deinen Aufenthalt in Tikal

Tikal ist ein beliebtes Reiseziel. Daher lohnt es sich, den geplanten Aufenthalt ein wenig im Voraus zu planen. Die folgenden Tipps werden dir helfen, aus deinem Besuch das Beste zu machen.

Öffentliche Verkehrsmittel in Tikal

In Tikal geht man zu Fuß. Nachmittags fährt ein Kleinbus von Tikal nach Uaxactún.

Budget in Tikal

Tikal kannst du relativ günstig besuchen aber man kann dort auch ne Menge Geld lassen, je nachdem ob man im öffentlichen Bus anreist oder im Touristenbus, ob man die Anlage selbst erkundet oder im Rahmen einer geführten Tour, oder ob man auf dem Campingplatz oder im Luxushotel übernachtet. Für alle gleich ist der Eintritt, der 150 Quetzales (ca. 18 Euro) beträgt. Für jedes der beiden Museen sind je 30 Quetzales fällig.

Geldautomaten/Geld abheben in Tikal

Da es in Tikal keinen Geldautomaten gibt, sollte man an ausreichend Bargeld denken. Den Eintritt in den Nationalpark kann man auch mit einer Kreditkarte bezahlen. Verlassen sollte man sich darauf aber nicht!

Klima, Wetter, beste Reisezeit in Tikal

Das tropische Klima sorgt das ganze Jahr über für relativ konstante Temperaturen. Tagsüber werden meist 28 bis 38 °C erreicht, nachts sinken sie auf 15 bis 22 °C. In den Wintermonaten, insbesondere im Januar, können die Temperaturen ausnahmsweise bis auf etwa 10 °C fallen. Die Trockenzeit dauert in der Regel von Dezember oder Januar bis April und ist damit kürzer als im guatemaltekischen Hochland. Während der Regenzeit fallen monatlich 250 bis 300 Millimeter Niederschlag, dennoch wechseln sich kräftige Schauer mit zahlreichen trockenen Tagen ab.

Aufgrund des porösen Kalksteinuntergrunds versickert das Regenwasser rasch. Flüsse und ergiebige Grundwasserleiter fehlen, sodass sich Wasser nur in natürlichen Senken und künstlich angelegten Wasserbecken, den sogenannten Aguadas, sammeln kann. Diese dienten den Maya als lebenswichtige Wasserspeicher. Tief liegende Bereiche werden während der Regenzeit regelmäßig überflutet und trocknen in der Trockenzeit wieder aus.

Am meisten Betrieb herrscht in den Monaten Dezember bis Februar, April und Juli/
August. Allerdings verstreuen sich die Massen auf dem riesigen Areal, sodass es nur auf dem Tempel IV, der großen Pyramide der „Verlorenen Welt“ und der Hauptplaza gelegentlich richtig voll wird.

Morgennebel ist keine Seltenheit in Tikal

Tikal – Öffnungszeiten

Der Nationalpark ist täglich, auch an Feiertagen, geöffnet. Der reguläre Einlass ist von 6 bis 18 Uhr möglich. Zusätzlich gibt es Sonderöffnungszeiten für den Zugang zum Sonnenaufgang von 4 bis 6 Uhr sowie zum Sonnenuntergang von 18 bis 20 Uhr.

Nachhaltig reisen in Tikal

Plastikmüll

Auch in Tikal fällt viel Plastikmüll an, besonders in Form von Trinkwasserflaschen. Den Müll kann man vermeiden, indem man eine Wasserflasche mitbringt und sich diese vor Ort gegen eine kleine Gebühr, oder zum Teil auch gratis, mit Trinkwasser auffüllen lässt. Da der gesamte Müll von Tikal aufwendig aus dem Nationalpark gebracht werden muss, sollte man seinen gesamten Müll mitnehmen!

Daten und Fakten

Wie ist die Zeitumstellung in Tikal?

Guatemala liegt 7 Stunden hinter unserer Zeit zurück (während der Sommerzeit minus 8 Std.), ist es z. B. in Deutschland 15 Uhr, ist es in Guatemala 8 bzw. 7 Uhr morgens.

Welche Sprache wird in Tikal gesprochen?

Offizielle Landessprache sind in Guatemala neben Spanisch 20 weitere indigene Sprachen. Da Tikal viele ausländische Touristen besuchen, wird dort auch überall Englisch verstanden und zumindest auf einfachem Niveau auch gesprochen.

Auf welcher Höhe liegt Tikal?

Tikal liegt auf etwa 250 Metern Höhe.

An- und Weiterreise von/nach Tikal

Tikal kann man nur auf dem Landweg erreichen. Flüge aus Guatemala-Stadt landen in Santa Elena bei Flores.

Mit dem Flugzeug

Der Aeropuerto Internacional Mundo Maya liegt rund 2 km östlich von Santa Elena. Der Flug von Guatemala-Stadt nach Flores dauert etwa eine Stunde. In der Regel kommen die Flugzeuge früh morgens aus Guatemala an und fliegen nachmittags in die Hauptstadt zurück. Weitere Optionen ab Flores sind Flüge nach Belize­-Stadt oder nach Cancún.

Flüge nach Flores-Santa Elena sind heutzutage sehr sicher

Mit dem Bus

Tägliche fahren mehrere Touristenbusse von Flores nach Tikal. Wer mehr Zeit hat, kann auch nachmittags den öffentlichen Bus nach Uaxactún nehmen, der in Tikal hält. Zurück fährt er ab Uaxactún früh morgens. Wer diesen Bus nimmt, muss in Tikal oder Uaxactún übernachten.

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