Brasilien: Sicherheit
Brasiliens Ruf ist beim Thema Sicherheit nicht gerade der beste. Dennoch berichten die meisten Reisenden, dass sie sich in Brasilien sehr sicher gefühlt haben und sich das Land vorher viel gefährlicher vorgestellt hatten. Wie überall gibt es auch in Brasilien ein paar Regeln zu beherzigen, mit denen man unnötige Risiken minimieren und den Aufenthalt richtig genießen kann.
Inhaltsverzeichnis
Sicherheit in Brasilien
Wenn man über Sicherheit in Brasilien spricht, muss man zuerst zwischen Großstadt und Kleinstadt unterscheiden.
Sicherheit in touristischen Kleinstädten und Badeorten
Du kannst schon mal davon ausgehen, dass du dich in einem der vielen brasilianischen Strandbadeorte oder einer touristischen Kleinstadt, wie zum Beispiel Paraty oder Ouro Preto, ganz normal bewegen kannst. Noch sicherer ist es auf den vielen Inseln, wie Morro de São Paulo oder Ilha Grande, oder in einer abgelegenen Amazonas-Lodge oder in den Weiten des Pantanals. Das Sicherheitsgefühl ist hier überall nicht viel anders als zuhause. Und die kleineren Orte machen meistens schon einen Großteil des Reiseprogramms aus.
Sicherheit in Großstädten
Etwas anders sieht es in den brasilianischen Großstädten aus, die leider immer noch mit hohen Kriminalitätsraten in den Medien auftauchen. Allerdings ist vieles dabei auch sensationalistisch überzeichnet und der mediale Dauerkonsum von schlechten Nachrichten führt selbst bei vielen Brasilianern zu einer verzerrten Wahrnehmung und zu hoher Risikoeinschätzung. Meistens sprechen ausgerechnet jene von den größten Gefahren, die selbst noch nie da waren. Wenn dich Bewohner von Rio davor warnen, wie gefährlich angeblich Salvador ist, und du in Salvador von den Einheimischen hörst, dass du wegen der Gefahr bloß nicht nach Rio fahren solltest, dann kann daran was nicht stimmen. Man kann sehr wohl in alle brasilianischen Großstädte fahren und dort eine großartige Zeit verbringen, wenn man sich an die grundlegendsten Regeln hält, von denen einem die meisten schon der gesunde Menschenverstand sagt. Zudem sind in allen touristischen Zentren der Großstädte Polizei und teilweise auch Stadtwache äußerst präsent.

Was man in einer Großstadt nicht tun sollte
Natürlich gibt es in Brasilien viele soziale Probleme, die keinesfalls verharmlost werden dürfen. Als Tourist solltest du dir aber auch klar machen, dass die meiste Schwerkriminalität in Gegenden passiert, in die Touristen gar nicht kommen. Meistens sind es weit entfernte Vorstadtviertel, in denen Drogenbanden untereinander und mit der Polizei um die Vormacht in ihren Bezirken kämpfen. In solche entlegenen Gegenden fährt man nicht ohne guten Grund einfach mal so aus Neugier hin.
Rio de Janeiro ist in dieser Hinsicht eine Ausnahme, denn viele Favelas grenzen direkt an die Touristenviertel. Wenngleich in den letzten Jahren viele Anstrengungen zur Befriedung und Normalisierung unternommen worden sind, und einige sogar vorübergehend als „pazifiziert“ galten, sollte man trotzdem nicht einfach ohne Begleitung eines ortskundigen und vertrauenswürdigen Guides eine Favela betreten. Als Außenstehender ist es unmöglich, die jeweils vor Ort geltenden Regeln zu kennen.
Generell sollte klar sein, dass man dunkle, einsame Straßen und auch verwaiste Strände abends und nachts meidet. In den nach Geschäftsschluss menschenleeren Stadtzentren treffen sich dann oft Crackabhängige, natürlich schlägt man auch hier einen weiten Bogen herum.
Dass man nachts lieber ein Taxi oder Uber ruft, als noch alleine durch die Dunkelheit zu spazieren oder sich in leere Stadtbusse setzt, sollte auch logisch sein.

Drogen
Ein großes Problem sind in ganz Lateinamerika die Drogen. Brasilien fährt eine harte Drogenpolitik und man sollte dem Konsum tunlichst aus dem Weg gehen und entsprechende Angebote entschieden ablehnen. Halte dich einfach davon fern, und schon hast du einen großen Risikobereich ausgeschaltet. Übrigens kann es passieren, dass an einigen Orten das Gepäck von „verdächtig“ aussehenden Rucksackreisenden auf Drogen durchsucht wird. Selbst bei geringen Mengen von illegalen Substanzen können hohe Strafen drohen.
Sicherheitstipps in Großstädten
Hier zum Schluss noch ein paar konkrete Tipps, wie du unnötige Risiken in Großstädten minimieren kannst:
- Nimm keine großen Summen an Bargeld oder deinen Pass mit auf die Straße.
- Versuche, keine Wertsachen wie teure Smartphones oder Schmuck zur Schau zu stellen (größere Fotoapparate besser in einer Tasche verstauen).
- Generell ist es gut, auf Reisen wenige Wertsachen mitzunehmen. Wenn du dich um deine materiellen Güter nicht zu sorgen braucht, reist es sich gleich viel befreiter.
- Trage unauffällige und an die landesübliche Mode angepasste Kleidung.
- Verstecke Bargeld am Körper und habe immer R$50 griffbereit in der Hosen- oder Handtasche, für den Fall der (Über-)Fälle.
- Schließe deine Wertsachen in den Hotelsafe.
- Lasse auch alle deine Originaldokumente im Hotelsafe und nimm falls nötig eine (beglaubigte) Kopie mit auf die Straße.
- Hantiere auf der Straße nicht öffentlich mit großen Geldscheinen, halte stattdessen Kleingeld bereit und krame nicht minutenlang im Portemonnaie.
- Versuche, dir schon vorab eine Orientierung über ein neues Gebiet zu verschaffen und vermeide es, auf der Straße wie ein verlorener Tourist zu wirken, der womöglich noch einen großen Stadtplan vor sich ausfaltet.
- Falls du dich doch mal in eine zwielichtig wirkende Gegend verlaufen hast, versuche trotzdem sicher und zielstrebig zu wirken und täusche Ortskenntnis wenigstens vor.
- Vermeide die Geschäftsstraßen nach den Ladenöffnungszeiten.
- Nimm an die Stadtstrände nicht deine sämtlichen Wertsachen mit. Klar, aufs Handy können die wenigsten verzichten, aber du könntest von zuhause auch ein altes/gebrauchtes Gerät zu diesem Zweck mitbringen. Ansonsten nur so viel Geld, wie du für Getränke, einen Imbiss und die Rückfahrt brauchst.
- Falls es zu einem Diebstahl oder Überfall kommt, musst du das bei der Polizei oder (wenn vorhanden) der Touristenpolizei anzeigen, sofern du eine Reisegepäckversicherung hast. Denn die Anzeige (boletim de ocorrência) musst du bei der Versicherung einreichen. Auch für eventuellen Passersatz ist sie wichtig.
- Sei gedanklich ein bisschen vor Trickdieben auf der Hut. Es gibt die ausgefallensten Maschen, mit denen ein Opfer abgelenkt wird, während Komplizen sich unbemerkt an der Handtasche zu schaffen machen.
- Mache deine Abhebungen an Geldautomaten möglichst am Tage und in zur Straße hin abgeschlossenen Räumen, wie einem Bankgebäude oder am Flughafen.
- Sei besonders vorsichtig während des Karnevals: Wo viele Menschen auf engstem Raum zusammenkommen, passieren Straftaten.
- Falls du deinen Laptop mitnimmst, trage ihn nicht in einer speziellen Laptop-Tasche herum, sondern verpacke ihn unauffällig.
Die wichtigste Regel von allen lautet: Sollte es doch einmal zu einem Überfall kommen, dann leiste auf keinen Fall Widerstand und gib die gewünschten Dinge ohne Zögern her. Meistens sind die Täter nur an den Wertsachen interessiert und verschwinden dann schnell wieder. Wenn sie aber herausgefordert werden, schrecken sie auch vor Gewaltanwendung nicht zurück. Auch deswegen solltest du immer etwas Bargeld bei dir tragen, das du notfalls sofort herausrücken kannst.

Fazit
Wer sich konsequent an die wichtigsten Grundregeln hält, minimiert Risiken und kann Brasilien schnell lieben lernen. Bei so vielen Vorsichtsmaßnahmen, Tipps und Warnungen solltest du auf jeden Fall eines nicht: verkrampfen. Versuche, dich unbefangen und mit einem gesunden Menschenverstand auf das Land einzulassen. Die allermeisten Reisenden kommen in Brasilien problemlos über die Runden und berichten hinterher ganz erstaunt, wie wenig ihre Bedenken vor der Reise mit der Wirklichkeit übereinstimmten. Vertraue darauf, dass du unterwegs ganz schnell selbst ein Gespür dafür entwickeln wirst, was man tun und was man lieber lassen sollte.