Tiradentes: Tipps für deine Reise

Tiradentes ist ein gut erhaltenes Goldgräberstädtchen, in dessen idyllischen Gassen man sich fast wie in einem kolonialbarocken Museum fühlt. Der Ort entstand zur Zeit des Goldrausches und hat sich seitdem kaum verändert. Der historische Stadtkern wird deshalb auch gerne von Film- und Fernsehcrews als Kulisse für historische Telenovelas und Kinofilme genutzt.

Alles ist liebreizend, aufgeräumt, getüncht und sorgfältig restauriert. Der stark museale Charakter mag manchen abschrecken, die meisten Besucher kommen jedoch gerade deswegen.

In den letzten Jahren hat sich die Stadt mit ihren 8000 Einwohnern zudem als kulinarisches Zentrum einen Namen gemacht, in dessen teilweise mit Kritikersternen dekorierten Restaurants es sich hervorragend, wenn auch nicht gerade billig, schlemmen lässt.

Touristen flanieren zwischen Kolonialhäusern in der historischen Altstadt von Tiradentes

Zum Ausgleich gibt es die Hügel und Wälder der Serra de São José, die seit 1990 unter Naturschutz stehen (und anders als bei Ouro Preto nicht bebaut werden dürfen) – die Bergregion ist ideal zum Wandern, Reiten, Radfahren und frei von Bergwerksaktivitäten.

Tiradentes liegt eingebettet in eine Tallandschaft am Fuß der Serra de São José

Sehenswürdigkeiten in Tiradentes

Am Largo das Forras im Zentrum stehen viele Kutschen, die verschieden lange Fahrten anbieten (40-minütige Tour zu den Attraktionen, bis drei Personen). Empfehlenswerter ist es aber, den kleinen verkehrsberuhigten Ort gemächlich bei einem Spaziergang zu erkunden.

Ausgangspunkt ist der Largo das Forras, von wo aus man in die Rua Direita gelangt. Hier befinden sich viele Läden mit Souvenirs und Kunsthandwerk.

Touristen flanieren in der Altstadt von Tiradentes zwischen Kolonialhäusern

Museu de Sant’Ana

Auf halbem Weg liegt rechts die alte Cadeia (Gefängnis), in der seit 2014 das Museu de Sant’Ana untergebracht ist, eine Sammlung von 300 Holzfiguren, die vom 17. bis 19. Jahrhundert in den verschiedensten Gegenden Brasiliens entstanden. In Minas Gerais erfährt die Heilige Anna besondere Verehrung als Schutzpatronin der Minenarbeiter.
Mo, Mi–Sa 10–18, So 10–16 Uhr, Eintritt R$5

Filigrane Holzschnitzarbeit im Museu de Sant’Ana
Holzstatuen aus dem ganzen Land sind im Museu de Sant’Ana in Tiradentes ausgestellt

Igreja Nossa Senhora do Rosário dos Pretos

Gegenüber steht die Igreja Nossa Senhora do Rosário dos Pretos, die Rosenkranzkirche der Schwarzen, die 1708 von und für Sklaven erbaute älteste Kirche der Stadt. In den Seitenaltären sind Bilder schwarzer Heiliger zu sehen. Als eine der wenigen Sklavenkirchen ihrer Zeit wurde bei der Ausschmückung im Inneren Gold verwendet, das die Sklaven heimlich von ihrer Minenarbeit in kleinen Mengen mitbrachten. Da die Kirche nie von Weißen betreten wurde, blieb dies über lange Zeit unbemerkt.
Mi–Mo 9–17 Uhr, Eintritt R$5

Im Vordergrund: die historische Sklavenkirche Nossa Senhora do Rosário dos Pretos im Zentrum von Tiradentes

Casa de Padre Toledo

Hinter der Kirche geht es schräg bergan zum Largo do Sol mit der Casa de Padre Toledo, wo 1788 die erste Versammlung der mineirischen Verschwörer stattfand und es heute schöne Deckenmalereien zu bewundern gibt.
Di–Sa 10–16, So 9–15 Uhr, Eintritt R$10

Matriz de Santo Antônio

Die Rua Padre Toledo hinauf ist man kurz danach bei der sehenswerten Matriz de Santo Antônio (1710), wegen ihrer vergoldeten Altäre eine der reichsten Kirchen des gesamten Landes. Die erst im Jahr 1810 vollendete Fassade zählt zu den letzten Werken Aleijadinhos. Ein weiteres Schmuckstück ist die bunt bemalte portugiesische Rokoko-Orgel von 1788. Lange verstummt, stimmen die restaurierten acht Reihen ihrer Pfeifen jetzt meist freitags in einem Orgelkonzert himmlische Töne an (20 Uhr, R$40, nachfragen!).
tgl. 9–17 Uhr, Eintritt R$5

Blick auf die Hauptkirche Matriz de Santo Antônio

Museu da Liturgia

Ein Stück bergab links, am Anfang der Rua Jogo de Bola, widmet sich das Museu da Liturgia dem katholischen Gottesdienst anhand von über 420 modern präsentierten Exponaten aus vier Jahrhunderten. In einem hübschen Innenhof kannst du im Anschluss auf Bänken ausruhen und das Gesehene reflektieren.
Fr 13–16.30, Sa 10–16.30, So 10–13 Uhr, Eintritt R$10

Holzgeschnitzte Leuchter für Opferkerzen im Museu da Liturgia
Modern aufbereitet: Geschnitzte Prozessionsstatue mit Holzkorsett im Museu da Liturgia

Sobrado Ramalho

In der parallelen Rua da Câmara steht der Sobrado Ramalho, eines der ältesten Häuser der Stadt, in dem das Instituto do Patrimônio Histórico e Artístico Nacional (Iphan) untergebracht ist und gelegentlich Ausstellungen stattfinden.

Chafariz de São José

Hinter dem Largo do Ó überquert man den Bach Córrego Santo Antônio und erfrischt sich am malerischen Brunnen Chafariz de São José von 1749. Er ist stets umsäumt von Touristen, die hier ihre Wasserflaschen auffüllen.

Der historische Brunnen zieht Wandersleute magisch an

Touren & Aktivitäten

Ausflug nach Bichinho

Die Gassen von Tiradentes sind voller Läden mit Kunsthandwerk und exquisiten Antiquitäten. Für Interessierte lohnt sich auch ein Ausflug in den sieben Kilometer entfernten kleinen Nachbarort Bichinho. Man kann dorthin entweder ein Taxi nehmen oder macht eine schöne Wanderung auf der Estrada Real.

Gleich am Ortseingang trifft man hier auf die Ateliers und Werkstätten der Oficina de Agosto. Die Welt des Künstlers Toti gleicht einem Freilufttheater: Abrisshölzer, Farbeimer, Gusseisen und Regentonnen liegen durcheinander und warten darauf, in die Hand genommen zu werden. Toti und seine circa 20 Mitarbeiter zaubern daraus Dekokunst.

Hochwertige Dekokunst in der Oficina de Agosto in Bichinho bei Tiradentes

Noch einmal so viele Leute sägen, hämmern, schnitzen und malen für den Meister bei sich zuhause. Die Objekte, die dabei entstehen sind eine gelungene Mischung aus kulturellen Symbolen und religiösen Ikonen, aus Rost und Patina, aus tropischem Überschwang und erotischer Provokation – ganz in der Tradition der Volkskunst und nicht zu verwechseln mit dem Folklore-Kitsch der Souvenirläden.

Künstlern bei der Arbeit über die Schulter schauen

Mitte der 1990er-Jahre ist Toti hier hängengeblieben und inzwischen ist nichts mehr in Bichinho, wie es einmal war. Viele seiner ehemaligen Mitarbeiter haben sich in eigenen Ateliers selbstständig gemacht. Andere sind mit der Zeit aus dem ganzen Land dazugekommen. Und so ist das verschlafene Dorf heute zu einem kleinen Zentrum für fantasievolles Kunsthandwerk geworden, zu dem Sammler, Händler und Touristen gleichermaßen pilgern.

Zentrum für fantasievolles Kunsthandwerk: Das Künstlerdorf Bichinho bei Tiradentes

Wandern und Trekking

Wandern und Trekking durch die nah gelegene Serra de São José sind ein echtes Highlight von Tiradentes. Sehr gut machbar sind zum Beispiel die beiden Pfade Trilha do Carteiro („Pfad des Briefträgers“, dreieinhalb Stunden) und Cachoeira do Mangue (zwei Stunden).

Organisiert werden kann alles bei der Agentur Uai Trip in der Rua Henrique Diniz 119. Außer den oben genannten Wanderungen bietet Uai Trip auch Reitausflüge, diverse Radtouren, Rafting oder einen Ausflug nach Bichinho mit Besuch einer Schnapsbrennerei an (deutschsprachiger Guide). Auch Fahrräder können hier ausgeliehen werden.
Mo–Sa 9–17 Uhr

Trekking durch die Serra de São José: ein Highlight

Fahrt mit einer historischen Dampflok

Sehr beliebt ist bei Besuchern die idyllische Zugfahrt nach São João del Rei. Es war einer der ersten Orte an der 1881 durch Kaiser Dom Pedro II. eingeweihten Bahnstrecke Estrada de Ferro Oeste de Minas.

Die Maria Fumaça aus Kaisers Zeiten ist die älteste noch in Betrieb befindliche Dampflok der Welt, sie kämpft sich rund zwölf Kilometer entlang dem Rio das Mortes und der Serra de São José. Die beste Aussicht auf der halbstündigen Fahrt hast du auf der rechten Seite. Abfahrt des Zuges ist Freitag und Sonntag um 11 Uhr sowie Samstag um 11 und 16 Uhr. Zu Ferienzeiten und an Feiertagen gibt es weitere Fahrten.

Die alte Baldwin-Dampflokomotive im Bahnhof von Tiradentes

Angekommen in São João del Rei könnte man sich noch das Museu Ferroviário im Bahnhof ansehen. Dort sind einige andere Lokomotiven zu besichtigen sowie eine Drehscheibe, Güterwagen und Dokumente.
Mi–So 8.30–17 Uhr

Schauspieler in historischen Trachten posieren vor der alten Eisenbahn

Unterkünfte in Tiradentes

Solar da Ponte

Tiradentes‘ erste Pousada (seit 1972) befindet sich in einem charmanten und beeindruckenden Kolonialhaus bei der Brücke zum Largo das Forras, in fußläufiger Nähe zum historischen Zentrum mit seinen Attraktionen. Die 18 Apartments im Solar da Ponte, die sich auf drei Kategorien verteilen, erwarten ihre Gäste mit einer exquisiten antiken Einrichtung, dazu gibt es Sauna, Bar und einen großen Garten mit Pool (hier bei Booking.com anschauen). Das englisch-brasilianische Besitzerpaar gründete 1992 gemeinsam mit drei weiteren Pousadas die exklusive und ökologisch nachhaltig orientierte Hotelgruppe Roteiros de Charme, deren angeschlossene Pousadas heute zum Feinsten zählen, was Brasiliens Hotellerie zu bieten hat.

Pousada Villa Paolucci

Nur etwa 200 Meter vom Zentrum entfernt liegt mit der Pousada Villa Paolucci eine der bezauberndsten Pousadas der Region im Gebäude einer Fazenda von 1740, zwischen alten Bäumen und Seen. Die geräumigen Zimmer sind ganz stilecht wie in alten Kolonialzeiten dekoriert. An weiteren Annehmlichkeiten verfügt die Pousada unter anderem über einen Pool, Spa, Sauna und Tennisplatz (hier bei Booking.com anschauen). Und: Samstagmittags gibt’s im Restaurant ein über Tiradentes hinaus bekanntes, hervorragendes knuspriges Spanferkel (Leitão pururuca). Die Pousada ist begehrt, eine Reservierung ist ratsam.

Pousada Três Portas

Die Pousada Três Portas befindet sich in einem schönen alten Haus in optimaler zentraler Lage und besitzt geschmackvoll möblierte Zimmer. Den Gästen stehen ein beheizter und überdachter Pool sowie eine Sauna zur Verfügung (hier anschauen). Lecker: Zum Frühstück gibt’s Käse und diverse Marmeladen aus eigener Produktion. Am Samstagabend freuen sich Kinder über die Vorstellungen in dem von den Eigentümern betriebenen Puppentheater.

Restaurants

Tragaluz, Rua Direita 52. Tragaluz bedeutet auf Deutsch „Bring das Licht“, und ein Licht geht einem tatsächlich auf beim Besuch dieses Restaurants. Es ist eins der besten Lokale der Stadt mit exzellenten und kreativen Gerichten, die in einem schön dekorierten Speisesaal an den Tisch gebracht werden. Berühmtheit haben auch die köstlichen Nachspeisen erlangt, wie zum Beispiel Goiabada frita com Castanha de Caju (frittierte Guavenmarmelade mit Cashew-Nüssen und Eis). Ein Ort für besondere Momente.
Mi–Mo ab 19 Uhr

Taberna Padre Toledo, Rua Direita 250. Die Taberna ist eines der ältesten Lokale am Ort; serviert wird Minas-Küche in riesigen Portionen: Das Hühnchen nach Art des Hauses (Frango ensopado) reicht für mindestens vier Personen.
tgl. 11.30–22 Uhr

Spaghetti Cantina Italiana, Rua Direita 7. Familiäre Atmosphäre war schon immer eine wichtige Zutat für gute italienische Küche. So auch in diesem urigen und sehr empfehlenswerten Restaurant, das seit 2001 in Tiradentes hausgemachte Pasta und Soßen nach süditalienischer Art auftischt.
Mi–Sa 13–17, 19–23, So 12–22.30 Uhr

Italienische Gemütlichkeit in der Spaghetti Cantina Italiana in Tiradentes

Geldautomaten/Geld abheben

Bradesco, Rua Min. Gabriel Passos 43.
Geldautomat tgl. 7–22 Uhr

Informationen

Secretaria Municipal de Turismo, Rua Resende Costa 71.
tgl. 9–17 Uhr

Anreise und Weiterreise

An der Rodoviária am historischen Zentrum nimmt nur zweimal pro Woche (Freitag 17 Uhr, Sonntag 16.30 Uhr) ein Bus nach Belo Horizonte Fahrgäste auf. Die Busgesellschaft, die auf dieser Strecke verkehrt, trägt den Namen Sandra. Ansonsten fahren die Fernverkehrsbusse alle vom benachbarten größeren São João del Rei ab. Dorthin gelangt man mit Presidente und Porto Real, es verkehren viele Busse bis 23 Uhr, 40 Minuten, R$6.

Museal, aber charmant: Ein Musikantenduo intoniert Volkslieder vor Zuhörern an einem Platz in Tiradentes

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